Onlineschund – oder wie mache ich eine Zeitung: zum Beispiel Kasaan Times

Man soll zwar über sog. Kollegen nichts Schlechtes sagen oder gar schreiben, doch allmählich fragt man sich schon, ob wirklich alle auch Kollegen sind oder sein sollten. Na ja böse wie ich bin ist mir das eigentlich egal, da die gern gesehene Presse eh nicht meine Presse ist.

Dass unser Presseniveau im freien Fall zur bloßen Meinungsmache verkommen ist, hat andere Gründe. Kann auch durch das mieseste Schundblatt kaum verschuldet sein. Doch allmählich reicht es schon. Die einen versuchen Leser für blöd zu verkaufen und wollen dafür auch noch Abos haben, während andere Blätter zwar kostenlos sind aber ihre Art der Abzocke betreiben. Und das meist auch noch nicht mal gekonnt.

Die beliebteste Masche sind die Werbeeinspielungen. Manche dieser Blättchen lassen sich noch nicht einmal ungestraft öffnen, ohne dass man sich die erste Werbung für veganes Wasser, genderneutrale Biounterwäsche oder den neusten Ferrari reinziehen muss. Klar, dass solche Werbung hohe Klickzahlen haben, denn mögliche Käufer dieser Produkte lesen bestimmt solche Blätter.

Doch von welchen Genies des Verlegerwesens rede ich hier? Zum Beispiel von einem Blatt, das mir immer in den Ohren hängt ich solle doch mal Werbung dafür machen. Es verlinken. Oder sogar Artikel schreiben…

Also selbst solche Menschen wie ich, und ich bin echt nicht lieb, haben an der ein oder anderen Stelle (…oder sentimentalen Momenten…) doch noch Mitleid. Oder wie man das nennen will, wenn man trotz besseren Wissens es nicht sein lassen kann. Und dann hilft man. Manchmal auch länger. Zuweilen dann auch zu lange. Und das war bei dieser Kasaan Times (HIERAchtung es kommt Werbung!) leider der Fall.

Angeblich in Südafrika beheimatet aber auf Teneriffa verortet sind bei dieser Zeitung diverse Unterfirmen für Werbung und Shops hinterlegt worden, die dann gern in UGs samt komischen Impressumadressen und Telefonnummern als Briefkastenfirmen enden. So denn auch in Saarbrücken in der Lembacherstr. 6, obwohl das Handelsregister die Hausnummer 4 ausweist. – „Service ist unser Geschäft„, ganz klar…

Allessamt Qualitätsmerkmale solcher… „Blätter“, die pressetechnisches Fallobst sind. Es zumeist noch nicht einmal schaffen täglich einen (1!) Artikel herauszubringen. Und diesen dann gern noch von anderen haben wollen, den sie dann noch nicht mal als Autor namentlich erwähnen.
Das ist vielleicht auch gut, denn die eigenen kreierten Artikel drehen sich bei solchen Zeitungen, die früher in gedruckter Form gern für das Einpacken von Fischkäufen auf dem Markt verwendet wurden, meist um RÄTSEL.

Das kennen wir von Weiterleitungen des FOCUS, wo man dann meist zu 10 der rätselhaftesten Orte, Entdeckungen, Schönheiten und ex-Promis geleitet wird. Bei der Kasaan Times ist das anders, da werden Rätsel ausgepackt und publiziert, die meist kriminaltechnisch oder esoterisch angehaucht sind.
Das Rätsel der verschollene XY-Frau ist gelöst…“ Keiner wusste je, dass es da ein Rätsel gab. Vermutlich noch nicht mal die Polizei.
Oder die Bilder der Marssonden. Jeder komisch aussehende Stein und jeder Sandhaufen mit Schattenwurf ist ein Relikt einer untergegangenen Zivilisation auf dem roten Planeten. Marsfabriken und ganze Städte entstehen so vor unseren ungläubigen Augen. Gern mit dem neusten Marsroverbildchen aufgepeppt, die aus dem Archiv kommen (wie meine Bilder hier… nun ja: auch…)

Und da so ein Archiv dann auch mal groß sein muss, kommt dann immer die Bitte der Redaktion Fotos zu schicken. Unnötig zu erwähnen, dass selbst Flusssteine, Laternen und Wolken gern genommen wurden. Ich weiß, ich hätte das nicht machen sollen. Mir war aber danach. Und nein, ich schäme mich auch nicht. Ich habe es ab einem gewissen Zeitpunkt als Investigativreportage gesehen. So wie Wallraff „ganz unten“, nur für Arme halt. Immerhin werde ich dafür nicht bezahlt. Ich schreibe aus reiner Überzeugung. OK: und auch Bosheit… aber jeder muss seinen Spaß haben dürfen, oder?

Zurück zu dem Qualitätsmedium Kasaan Times, das seit ein paar Monaten eher gar nicht mehr erscheint, oder alte Artikel aufwärmt, die dann neue Rätsel begründen. Dann aber eher historisch-publizistischer Art.

Wenn man nun also auf der Homepage dieser Onlinebereicherung ist, dann fallen einem gleich die journalistisch wertvollen Überschriften auf. Nein, ich wiederhole sie hier nicht, einfach selbst Lesen. Die Herausgeberin, Mariella Charlotte van ten Haarlen (57), schafft hier selbst überzeugende Beispiele ihrer hohen Kunst das Leserinteresse zu gewinnen. Nachrichten zu gestalten. Information zu liefern.

Und wie solche Blätter nun mal sind, sie müssen zeitgerecht sein. Zeitgerecht auffallend sein. Daher sind alle anderen Meinungen gern homophob, rechts, zu links, zu verworren, zu wenig gendergerecht, zu klimafeindlich oder einfach zu blöd.

Natürlich gibt es für alles eine Nische. Für jede Veranlagung auch den passenden Deckel auf dem Topf. Gern auch in Kombination von Interessen als eigenes Publikationsorgan. Zum Beispiel „Fussball & Autos“ ist so ein gelungenes Kombinationsprojekt, das unzählige Medienprodukte am Leben erhält und für volle Kassen sorgt.
Bei der Kombination von Marsmenschen & Kriminalrätsel ist diese gemeinsame Schnittmenge aber eher… übersichtlich.
Das zeigt sich dann auch an den Werbepartnern. Und da diese selbstredend Schlange stehen, werden die zuerst gekommenen Partner begünstigt und alle vier Zeilen in jedem gottverdammten Artikel eingeblendet, was das kaum zu ertragende Lesevergnügen natürlich gar nicht stört.
Wissen diese Werbepartneridioten eigentlich wie man sie zu hassen lernt, wenn man auch nur einen dieser Artikel liest??? – Aber egal. Auch in den Abteilungen für Werbebudgets sitzen nicht immer die hellsten Leuchten. Oder die haben zu viel Geld rumliegen…

Und da diese Zeitungen natürlich gern auch technisches Hobbyland sind, wo man der Konkurrenz immer einen Schritt voraus sein will, um zu zeigen, wie verdammt kreativer man ist als THE MIRROR, The Times oder das Wallstreet Journal, doktort man ständig an der Soft- und Hardware herum. Das Ergebnis ist und war zu oft … wahrlich sehenswert.

Wie beschreibt man es? Ich hatte mal einen Kollegen im Studium, der hat gern jedes handelsübliche Elektrogerät verbessert. Egal ob Mikrowelle, Toaster oder auch nur Lampe. Er zerlegte alles und baute es wieder zusammen. Es waren grundsätzlich ein paar Teile über. Manchmal störte das nicht weiter. Doch es gab auch spektakuläre Misserfolge bis hin zum Stromausfall im Studentenwohnheim. Und was war recht groß… Gern dann auch länger.

Und so ist es auch bei der Kasaan Times. Um den Leser mehr zu bieten wurden da schon so einige Projekt lanciert, die man gemeinhin besser sofort wieder vergessen hätte, als sie hyperdynamisch anzugehen. So ein paar tausend verschobene links waren nur ein Problem, was dann zu weiterer Freude führte. Gern mit Wehklagen verbunden, wie gemein die Welt doch ist.
Letzteres hörte der Leser nicht, wurde dafür aber auch mal gern über Wochen bis Monate von weiteren Rätseln verschont, wie es denn mit der X-Frau weiterging… oder der Marsfabrik.
Denn solche rätselhaften Artikel hatten oft mehrere Teile, die eine internationale Leserschaft mit unermesslicher Spannung erwartete. „Die Tote aus dem bayrischen Bergbach, Teil 25: Die Lösung des Rätsels wird sichtbarer...“

Manchmal muss man bei solchen Nischenanbietern dankbar sein, dass es noch keine Toten auf dem Mars gibt…

So verwundert es nicht, dass sich solche Blätter einer recht schwankenden Nachfrage erfreuen. Und um solche Lebenswerke (ja, so wurde es oft bezeichnet…) publizistisch am Leben zu erhalten macht man was genau? Zumal es an den gekonnt inszenierten Artikeln nicht liegen kann… Richtig: man dreht wieder am nächsten technischen Projekt, um die Zeitung attraktiver zu machen.

Lästern wir nicht. Das Ding ist wie so viele dieser Blätter kostenlos. Wenig verständige Leute würden jetzt spotten und sagen, dass sich hier beim Rabenspiegel auch kein Blöder finden würde, der dafür zahlen würde. Gegenfrage: an wen verkauft die taz, der Spiegel und die SZ eigentlich ihre Abos? Genau.
Und warum WIR HIER keine Abos verkaufen ist selbsterklärend. Unsere Bosheit ist kostenlos – aber nicht sinnlos oder gar schmerzfrei!

Dennoch  umgibt die Kasaan Times ein Rätsel. Das Verlegerrätsel. Frau Marinella Charlotte van ten Haarlen ist selbst ein Rätsel. Eher ein Phantom, das via Mail und Telefon die Welt beglückt aber physisch nicht existent zu sein scheint. Wo jedes vereinbarte Treffen im Sande verläuft. Egal wo, um was es auch geht oder wie dringend es ist. Sie taucht nicht auf. Und das nicht einfach mit einer Absage. Nein, man merkt es schon selbst irgendwann, wenn man allein blöd in der Ecke steht. Rätselt nach der dritten dieser Nummern eigentlich schon gar nicht mehr ob sie kommt, sondern was diesmal als Ausrede vorgeschoben wird.
Schnee, technische Probleme mit der Zeitung, dahinsiechende Verwandte, neuerdings Corona und gar eine Impfnebenwirkung(!). Kreativität kann auch hier frappierend beglücken. Man wartet förmlich darauf, dass endlich einmal ein Marsmensch die Lösung des Rätsels um das Niemalserscheinens ist.

Und exakt dieses Rätsel geben uns viele dieser Magazine, Blogs und Zeitungen auf. Das Rätsel um die Menschen dahinter. Wer so einen Mist nur macht, warum und wozu überhaupt.

Hier beim Rabenspiegel sind wir BÖSE. Und GEMEIN. Und das GERN! Das sind drei an sich schon völlig hinreichende Gründe und selbsterklärend. Sehen wir halt so. Hat also so zu sein, denn wir sind da wenig tolerant.

Was aber könnte die Antwort auf das Rätsel sein, kriminalhistorische Ungereimtheiten und Marsmenschen unter einen Hut zu bringen und das allen Ernstes als „Lebenswerk“ anzusehen?
Da ist es doch nur eine Frage der Zeit wann das Ableben von John F. Kennedy durch Lee Harvey Oswald (den getarnten Marsianer…) zur „neu-journalistischen“ Lösung wird.
Oder warum der Bericht über eine vor 40 Jahren angeschwemmte Wasserleiche auch noch einen Teil 34 verdient.

So aber ist die Intention so mancher dieser Blätter genauso unbekannt wie die Hinterleute selbst oder deren… Lebenspläne und Ideen. Wo das Impressum genau so viel hergibt wie ein Blatt Klopapier, bevor es „journalistisch verbessert“ wurde.

So freuen wir uns darauf auch weiterhin die Machenschaften und Erfolge des „Phantoms der Kasaan Times“ im Auge zu behalten, bis wir das Rätsel um Marinella Charlotte van ten Haarlen gelöst haben. Hoffentlich dann schon im Teil Zwei unserer imposanten Reihe zu diesen kleinen Medienjuwelen im Netz.

 

 

Der weise Redakteur für Qualitätskontrolle wurde auch schon tätig…